Jakobsweg – Camino de la Costa Teil 2

Es wäre gelogen wenn ich dir nicht sagen würde, dass ich das eine oder andere Mal ans Aufgeben gedacht habe. Ich weiß nicht mehr genau wann es passiert ist, ich glaube circa bei der Hälfte…mein Fuß bzw. eher mein Knöchel schwoll ziemlich heftig an. Ich hatte beim Gehen Schmerzen, die sich bis in das Schienbein hochzogen. „Miriam, ich gebe auf!“ Ja, das waren zu erst meine Worte und Gedanken. Und ja, ich habe geweint. Das kann es jetzt doch nicht gewesen sein, oder? Ich habe schon so viel geschafft, soll ich jetzt wirklich einfach aufgeben? Nein! Ich wollte weiter laufen, komme was wolle. Ich habe zuhause mit meiner Mama und mit meinem Freund geschrieben, habe mir Rat geholt. Aber die Entscheidung abzubrechen oder weiter zu laufen musste ich alleine treffen. Und ich habe mich für das Weiterlaufen entschieden. Im Nachhinein bin ich unendlich dankbar und froh, dass ich mich so entschieden habe. Ich muss dazu sagen, dass das körperlich gesehen bestimmt nicht die beste Entscheidung war und ich rate auch keinem das nachzumachen! Du musst für dich selbst wissen wie weit du gehen kannst und willst (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ich bin dann in einem etwas größeren Ort in eine Apotheke und habe mir Bandagen und eine Salbe gekauft um meinen Fuß etwas zu stabilisieren. Ansonsten? So viele Menschen haben mir Mut zugesprochen, haben gesagt sie laufen mit mir einfach den Weg langsamer, haben mir ihre Salben, Verbände und was ein Pilger eben noch so in seinem Rucksack trägt, gegeben. Genau diese tollen Menschen haben mich dazu gebracht nicht aufzugeben! Was ich damit sagen möchte, du musst jeden Tag so nehmen wie er kommt. Mach dir keine großen Pläne zuvor, denn meist kommt es eh ganz anders als du denkst!

Im ersten Teil habe ich ja schon kurz erwähnt, dass ich 5km vor Santiago de Compostela noch einmal in einer Herberge (am Monte do Gozo) übernachtet habe. Ich kann es wirklich nur empfehlen! Viele Pilger laufen die letzten 5km noch nach Santiago zur Kathedrale, wollen endlich ankommen (verständlicherweise). Ich habe mir das Schauspiel von dem kleinen Kiosk aus mit Miriam angesehen und wir hatten wirklich den Spaß unseres Lebens. Die Vorfreude am nächsten Morgen endlich anzukommen war riesig! Den Sonnenuntergang haben wir mit dem Blick auf Santiago und einem Bier genießen können. Am nächsten Morgen bin ich gleich um 8:00 Uhr los und das ganz alleine! Auch am frühen Morgen war Santiago noch menschenleer. Ich habe gestrahlt, ich konnte mein Grinsen einfach nicht verstecken und dann stand ich da…direkt vor der Kathedrale! Endlich angekommen und es war einfach unglaublich wieder an diesem Ort zu stehen.

Ich empfehle dir deinen Rucksack im Pilgerbüro abzugeben, so musst du ihn nicht mit durch die Stadt tragen. Natürlich kannst du hier auch endlich deine Urkunde abholen! Danach ging es für mich direkt in ein kleines nettes Café zum Frühstücken. Du hast einfach so viel Ruhe und Zeit wenn du Morgens in Santiago ankommst. Ganz entspannt kannst du dann um 12.00 Uhr in die Messe gehen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl dort zu sitzen! Ich weiß gar nicht wie ich es beschreiben soll, du musst es einfach erlebt haben. Dort traf ich dann auch auf „meine“ Truppe. Wir fielen uns in die Arme und einige Tränen sind auch geflossen. Den ganzen Tag und Abend verbrachten wir mit Wein, Bier, Tapas und 2 Gitarren auf dem Vorplatz der Kathedrale. Genau so habe ich mir das vorgestellt! Einen Tipp habe ich noch für euch, falls ihr nach Finisterra weiter laufen möchtet. Entweder ihr trinkt nicht zu viel oder ihr gönnt euch einen Tag Pause (mit Kater läuft sichs wirklich gar nicht gut) 😀

Verschlafen und mit Kopfschmerzen meines Lebens ging es für mich am nächsten Tag weiter. Natürlich hatte ich in der Eile auch mein Trinken vergessen und ein Café war auf dem Weg weit und breit nicht zu sehen. Die Tage bis nach Finisterra (glaube 3 Tage), waren zum Abschluss nochmal wunderschön. Bei der letzten Etappe triffst du auf einen riesigen Strand, von dem aus du in der weiten Ferne schon den Leuchtturm sehen kannst – das Ende der Welt. Als wir in Finisterra ankamen, holten wir uns erst einmal ein Zimmer und dann unsere Urkunde. Ja hier bekommst du nochmal eine, meiner Meinung nach viel Schönere. 🙂 Erst am Abend zum Sonnenuntergang, packten wir unsere Rucksäcke voll Bier und machten uns die letzten 3 km bis zum Leuchtturm. So, da standen wir nun. Am 0,000km Stein. Die Sonne am Horizont. Selbst wenn wir gewollt hätten, der Weg wäre nicht weiter gegangen. Wir haben es geschafft. ICH habe es geschafft. Mit vielen Höhen und Tiefen, Tränen und unendlich viel Lachen, vielen tollen Menschen und dann war da einfach nur der Stolz!

So, das war meine Geschichte! Jetzt fragst du dich wahrscheinlich: “ Ist ja alles schön und gut, aber was kostet mich denn jetzt so eine Erfahrung?“ Ja das ist wirklich schwer zu sagen. Es kommt total darauf an wie hoch dein Komfortanspruch ist. Einige Herbergen gibt es  auch auf Spendenbasis aber ich würde sagen, im Schnitt kostet eine Nacht 10€. Meist habe ich gegen 9:00 Uhr gefrühstückt (frisch gepresster O-Saft, Schokohörnchen ca. 3€). Am Abend gab es meist ein Pilgermenü mit einer Flasche Wein (jaaaa pro Pilger!), Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise ca. 9€ – 12€. Wir haben aber auch zusammen gekocht dadurch wird das natürlich wesentlich günstiger. Und falls du den Eindruck hast bei uns hat sich alles um Bier und Wein gedreht, naja sagen wir’s so…das war immer unsere Belohnung am Ende der Tagesetappe 😉 Also es gibt keine Pauschalaussage aber ich habe im Schnitt zwischen 20€ und 25€ am Tag gebraucht. Für meine Flüge und den Bus von Madrid nach Irun habe ich um die 150€ gezahlt.

Ich hoffe sehr, dass dir mein kleiner Einblick gefallen hat. Falls du noch Fragen hast, kannst du mir sehr gerne schreiben. Ansonsten freue ich mich immer auf Rückmeldungen!

Bis dahin, Buen Camino! Lisa 🙂

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Jakobsweg – Camino de la Costa Teil I

Ein letztes „Buen Camino“ riefen mir die anderen Pilger in der Herberge zu, als ich mich auf meine letzten 5km nach Santiago machte. Ein unbeschreibliches Gefühl schlummerte in mir. Die Vorfreude endlich in Santiago de Compostela anzukommen, ein bisschen Wehmut und großer Stolz!

Aber fangen wir von vorne an. Im Mai/Juni packte ich zum zweiten Mal meinen Rucksack für den Jakobsweg. Diesmal sollte es 6 Wochen, knapp 1000km der ‚Camino de la Costa‘ werden – alleine. Die Vorfreude war bereits riesig, als ich meinen Pilgerausweis in der Jakobskirche in der Stadt abholte (Im Internet findet ihr raus, wo ihr in eurer Gegend diesen erhalten könnt. Ihr könnt ihn aber auch ganz einfach im Internet bestellen). In dem Pilgerausweis wird festgehalten, wie du dich fortbewegst (zu Fuß, Fahrrad, Pferd) und wo du startest. Dieser Pilgerausweis berechtigt dich in den Herbergen zu schlafen, auf die du immer wieder treffen wirst. In diesem sammelst du aber auch deine Stempel, die du jeden Abend in den Herbergen bekommst. Die Herbergen sind auf dem Weg total unterschiedlich. Mit den Stempeln kannst du dann in Santiago de Compostela nachweisen, dass du den Weg gelaufen bist und bekommst deine Urkunde. Ich hatte sehr schöne, gemütliche, kleine Herbergen mit super freundlichen Besitzern. Aber natürlich waren auch immer wieder ein paar Flops dabei (dreckig, zu viele Betten in einem Raum, unfreundliche Herbergsleute…). Falls du nicht der Typ für Mehrbettzimmer bist, keine Sorge auf dem Weg gibt es auch immer Pensionen, in denen du dir ein Doppelzimmer oder Einzelzimmer gönnen kannst!

So, jetzt geht es aber los! Mein Gott war ich aufgeregt, als ich im Bus von Madrid nach Irun saß. Es war schon sehr spät als ich in meiner Herberge ankam, sodass ich gleich todmüde in mein Bett fiel. Am nächsten Morgen machte ich mich direkt um 7:00 Uhr in der Früh auf meinen Weg – Tag 1. Nach einer heißen Schokolade und einem Toast mit Butter warf ich mir meinen Rucksack auf den Rücken, schnürte meine Wanderstiefel und lief los. Die Sonne ging langsam auf und ich fühlte mich direkt wieder wie zuhause. Alle meine Sorgen, dass ich den Weg anfangs nicht finden könnte oder ich irgendetwas wichtiges vergessen habe, waren wie weggeblasen. So lange habe ich auf diesen Moment gewartet und endlich war er gekommen. Es war ein sonniger und sehr ruhiger Morgen, Irun und seine Bewohner lagen noch im Tiefschlaf. Ziemlich schnell hatte ich den Ort verlassen und war umgeben von einer traumhaften Natur.

Schon der erste Tag war ein Traum. Direkt am Meer ging es entlang und ein kleines Stück musste ich mit einem winzigen Boot übersetzen. Mein Tagesziel war heute San Sebastian, eine wunderschöne Stadt mit einem riesigen Strand. Bevor ich mich auf den Weg zu meiner Herberge machte, gönnte ich mir noch ein ‚San Miguel‘ am Strand. Und das war auch der Tag an dem ich meine liebe Miriam, den wundervollen Walter und den immer gut gelaunten George kennen gelernt habe. Wir waren in den ganzen Wochen eine unzertrennliche Gruppe. Das bedeutet nicht, dass wir IMMER zusammen gelaufen sind. Aber wir haben uns gewollt oder zufällig immer in den gleichen Herbergen wieder getroffen und in der größten Stadt wieder gefunden. Hach, wie sehr diese tollen Menschen meinen Weg bereichert haben. Wir haben unheimlich viel miteinander gelacht, hatten super tiefgründige Gespräche, sind vor Bettwanzen geflüchtet und Nachts 16km gelaufen. Hatten traumhafte Sonnenauf- und Untergänge. Aber auch einige Tränen sind geflossen (vor allem beim Abschied). George hat uns 2,5 Wochen vor Santiago de Compostela verlassen und ist den Camino Primitivo weiter gelaufen. Am letzten Abend vor Santiago de Compostela saßen Miriam und ich vor der Herberge und wer kam den Weg hochgelaufen? George! Wie verrückt ist das denn bitte? Also eins habe ich auf diesem Weg tatsächlich gelernt – es ist dort alles möglich! Ich hätte auch nie gedacht, dass man Menschen, die man kaum kennt so schnell in sein Herz schließen kann.

Und das ist der Grund, wieso ich euch ermutigen möchte über euren Schatten zu springen. Natürlich habe ich zuvor besorgte Reaktionen bekommen: “ Was? Alleine? Den Jakobsweg? Als Frau? Du bist verrückt!“ Ja mag sein! Aber ich weiß, dass ich es bereut hätte, wenn ich es nicht getan hätte. Und Leute, mal ehrlich…ihr seid NIE alleine auf diesem Weg, außer ihr wollt das natürlich. Auch als Frau ist es überhaupt kein Problem diesen Weg zu laufen. Ich hatte keine einzige Situation, in der ich mich unwohl gefühlt habe (das kann ich von mir zuhause nicht sagen!). Ich hatte oft genug Tage, vor allem die langen Etappen, die ich alleine gehen wollte – in meinem Tempo. Ich wollte mit meinen Gedanken alleine sein und das war auch völlig okay so.

In diesen Blogposts möchte ich euch nicht jede einzelne Etappe beschreiben, dass würde den Rahmen hier sprengen. Außerdem bin ich der Meinung, dass jeder den Weg in seinem Tempo gehen sollte. Ich hatte mir vorher keinen Plan gemacht, wann ich wo sein möchte. Du solltest einfach schauen wie es dir an dem entsprechenden Tag geht, wie du dich fühlst und entscheide dann, wieviele Kilometer du zurück legen willst. Ich hatte ganz unterschiedliche Tage. Tage an denen ich 15km gelaufen bin, Tage an denen ich aber auch mal 40km gelaufen bin. Ich bin die 6 Wochen komplett durchgelaufen, außer dem aller letzten Tag meiner Reise. Aber auch das könnt ihr selbst entscheiden, Pausentage können auch super sein um die Stadt mal zu erkunden! Oft bekomme ich auch zu hören: “ ja Mensch, aber so viel Zeit habe ich nicht. Ich kann mir doch keine 6 Wochen frei nehmen!“ Musst du auch nicht! Walter hat zum Beispiel seinen Jakobsweg vor der Haustür gestartet und ist seit 2012 unterwegs gewesen. Nein, natürlich nicht am Stück! Jedes Jahr nimmt er sich 3 Wochen frei um ein Stück seines Weges fortzusetzen.

Ich hatte jetzt den Vergleich zwischen dem Camino de la Costa und dem „Hauptweg“ Camino Frances, den ich 2015 mit zwei Freundinnen gelaufen bin. Und ja, ich kann den Camino Frances absolut nicht empfehlen. Er ist völlig überlaufen, Menschenmassen laufen die letzten 100km um sich in Santiago de Compostela die Urkunde abzuholen. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, aber macht euch vorher Gedanken warum ihr den Weg laufen wollt (bestimmt nicht nur wegen dieser Urkunde oder?). Als letztes ist natürlich auch die Jahreszeit sehr entscheidend. Ich finde Mai/Juni super. Es hatte die perfekte Wandertemperatur, ca. 20°C. Im Hochsommer ist es wesentlich wärmer/heiß und natürlich sind viel mehr Pilger unterwegs. Im Winter kann es dir dafür passieren, dass die Herbergen geschlossen haben.

So, vielleicht konnte ich jetzt schon ein bisschen deine Neugierde wecken. Im zweiten Teil zum Thema „Jakobsweg“, erzähle ich dir wieviel dich der Jakobsweg circa kosten wird, was du bei deiner letzten Etappe nach Santiago de Compostela beachten solltest und natürlich meine Ankunft am ‚Ende der Welt‘. Es wird etwas persönlicher werden. Ich werde meine Gedanken und Gefühle, die mich auf dem Weg begleitet haben, mit dir teilen.

Bis bald, eure Lisa 🙂

Ein Mädchen, das das Alleinreisen für sich entdeckte…

Seid ihr schon einmal alleine im Urlaub gewesen? Viele meiner Freunde können sich das nicht vorstellen. Ich denke auch, dass dafür eine ordentliche Portion Mut dazugehört. Aber wieso nicht einfach einmal wagen? Ich hatte schon immer den großen Drang nach Abenteuern und Reisen. Nach meiner fünfjährigen Ausbildung nahm ich mir ein Jahr Auszeit. Auszeit vom Alltag. Einfach mal das tun, was ich wirklich möchte. Alle meine Freunde waren entweder noch in der Ausbildung oder haben nach der Ausbildung direkt das Arbeiten angefangen. Aber das war nicht das, was ICH mir vorstellte. Ich brauchte Zeit, Zeit um mir klar darüber zu werden, was mir im Leben wirklich wichtig ist und welche Ziele ich in der Zukunft erreichen möchte.

Also plante ich meine vier Monate Asienreise ohne Reisepartner (mein Herzensmann musste leider arbeiten). Letztendlich hat es sich doch noch ergeben, dass ich mit einer Freundin die Zeit in Asien genießen konnte. Aber ich hatte von Anfang an zu meinen Eltern gesagt: “ ich fliege! Ob ich jemanden finde der mitkommt oder nicht!“ Und ja, was soll ich sagen? In gewissen Situationen war ich wirklich froh, dass ich sie dabei hatte aber das Verlangen nach einer Reise alleine blieb dennoch bestehen. Und so tritt ich im Juni 2016 doch noch meine Reise an – den Jakobsweg. Ich bin bereits zuvor schon einmal mit zwei Freundinnen auf dem Jakobsweg gewesen. Dem Camino Frances, von Pamplona bis Santiago de Compostela.

Doch diesmal wollte ich den Weg alleine bestreiten! Der Camino de la costa von Irun bis zum Kap Finisterra, knapp 1000km zu Fuß erwarteten mich. Natürlich dachte ich mir zwischendurch: „Lisa, was zur Hölle hast du dir eigentlich dabei gedacht?“ Aber das war eher auf den Weg bezogen als auf das Alleinreisen an sich.

Alleinreisen, Alleinsein bedeutet nicht gleichzeitig einsam zu sein. Ich finde das sind zwei sehr große Unterschiede. Ich bin bewusst tagelang alleine gelaufen, wollte sehen wie lange ich mich selbst aushalten kann, die Stille. Ja, irgendwann fängt man auch an mit sich selbst zu reden – verrückt aber wahr. 😀 Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich jemals einsam gefühlt habe. Ich habe so viele nette Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt. Egal wo ich war, ich war nie einsam. Und durch diese Reise habe ich das Alleinreisen lieben gelernt. Das heißt nicht, dass ich nicht gerne mit Freunden oder meinem Herzensmann in den Urlaub fahre. Aber ich versuche einmal im Jahr mir Zeit für mich frei zuschaufeln. Denn seid mal ehrlich, die kommt doch bei Jedem im Alltag viel zu kurz oder?

Letztes Jahr habe ich mich dann an meine erste Bergtour getraut – alleine. Komischerweise habe ich hier viel mehr Sorgen und Bedenken von meiner Familie und  meinen Freunden zu spüren bekommen. Was ist wenn dir was passiert? Was ist wenn du dich verläufst? Ich muss gestehen über diese Dinge mache ich mir mittlerweile keine Gedanken mehr. Mir kann überall etwas passieren und mir kann vielleicht auch nicht sofort geholfen werden. Ich würde behaupten, dass ich in diesem Sinne auch ein gesundes Selbstbewusstsein habe um auf Menschen zu zugehen, wenn ich ihre Hilfe benötige. Das ist schon einmal die halbe Miete.

Ich habe mir für meine erste Solo Bergtour natürlich jetzt keine Watzmannumrundung oder extrem alpine Bergtour rausgesucht. Es ging in die Allgäuer Alpen und ich habe mich zuvor ausführlich über die 4-Tagestour informiert. Meinem Freund und meiner Familie habe ich den Tourenplan ausgehändigt, damit sie im worst-case Fall informiert sind. Bitte macht zuvor nicht aus, dass ihr euch jeden Abend meldet! Ich hatte auf vielen Hütten keinen Empfang und das wäre fatal wenn aus diesem Grund Missverständnisse entstehen! Ich hatte eine grobe Uhrzeit an meinem letzten Tag angepeilt, bei der ich wieder im Tal sein möchte. Diese könnt ihr eurer Familie/euren Freunden mitteilen, damit sie eine Orientierung haben.

Letztendlich war es mit eine der schönsten  Wanderungen, die ich je gemacht habe. Ich konnte mein Tempo gehen, Pausen machen wann ich wollte und einfach die Zeit mit mir selbst genießen. Ich habe auch auf dieser Tour wunderbare Menschen kennen gelernt. Hatte tolle Gespräche und Abends vielleicht auch mal ein oder zwei Radler zu viel. Mir wurde angeboten, mit ihnen eine andere Tour weiter zu gehen (die ich mich allein bestimmt nie trauen würde) aber ich habe mich dazu entschieden meinen Weg fortzuführen. Lasst euch nicht zu leicht von eurem Weg abbringen. Oft habe ich auf meinen Reisen tolle Leute zurück gelassen, weil ich wusste mir wird es besser gehen, wenn ich meinen eigenen Weg weitergehe. Ja deshalb gab es auch viele Abschiede und einige Tränen. Es gibt aber auch Momente in denen ich meinen Plan, eben wegen dieser netten Menschen, wieder über den Haufen geworfen habe und einfach mitgezogen bin.

Also was ich eigentlich sagen möchte: Hört auf euer Bauchgefühl, denn das hat meistens Recht. Ihr müsst euch auf eurer Reise wohlfühlen, denn das ist das Wichtigste. Eure Reise kann euch keiner mehr nehmen! Habt den Mut und springt über euren Schatten. Es muss ja nicht gleich 6 Wochen Jakobsweg sein. Ihr werdet sehen, es ist viel schöner als gedacht! Ich denke die Planung ist das A und O. Sucht euch einen Trip oder eine Tour aus, bei der ihr euch schon im Vorfeld gut fühlt. Oder vielleicht wart ihr schon einmal  dort und wisst was auf euch zukommt.

Im Februar geht es für mich eine Woche nach Österreich auf einen kleinen Roadtrip – allein. Warum? Weil meine Freunde entweder keine Zeit haben oder einfach nicht die Typen für diese Art Urlaub sind. Das ist auch völlig okay. Aber wieso sollte ich deshalb zuhause bleiben? Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder auf die Zeit mit mir selbst und meiner Kamera!

Bis dahin. Macht’s gut 🙂

 

Silvester auf der Berghütte

Silvester auf einer Hütte feiern. Jedes Jahr haben wir gesagt: nächstes Jahr machen wir das! Aber irgendwie kam es nie dazu. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt. Wir waren wieder super spät dran. Ende November bin ich die Homepage des DAV durchgegangen und habe nach Hütten gesucht, die im Winter offen haben. Unzählige E-mails und Absagen später…endlich eine Zusage!

Für uns ging es von Samstag bis Montag auf die Vorderkaiserfeldenhütte in Tirol. Das neue Jahr beginnt für uns in den Bergen, was kann es Schöneres geben?

Silvester24

Samstag ging es für uns schon morgens um 5:30 Uhr los Richtung Kiefersfelden. Nach ca. 3 Stunden kamen wir am Wanderparkplatz in Ebbs an (Kaiseraufstieg 12, 6330 Ebbs, Österreich). Für Mittag meldete der Wetterbericht eine Schlechtwetterfront, deshalb machten wir uns zügig auf den Weg. 

 

Zunächst geht es viele Stufen hinauf und wir hatten einen tollen Blick über Kiefersfelden. Wir hatten die 900Hm vom Parkplatz bis zur Hütte total unterschätzt. Ich würde uns schon als konditionell gute Wanderer bezeichnen, aber der Schnee erschwerte uns das Gehen ungemein.  Viele Wanderer hatten Spikes dabei, die ich im Winter auch sehr empfehlen kann. Diese erleichtern einen den Aufstieg im Schnee deutlich. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir die Ritzauer Alm, bei der auch eine kleine Kapelle steht.

 

Von hier aus habt ihr noch einmal einen wundervollen Ausblick ins Tal. Das letzte Stück zur Vorderkaiserfeldenhütte hat uns nochmal alles an Kondition abverlangt. Der Weg wurde immer steiler und der Schnee immer mehr. Gegen 11 Uhr kamen wir dann endlich bei der Hütte an. Leider hatten wir an diesem Tag etwas Pech mit dem Wetter. Zuerst hat es das Schneien angefangen, was sich später zu einem Eisregen entwickelte. Wir machten es uns einfach in der warmen Hütte gemütlich.

Die Nacht war nicht sonderlich erholsam. Wir hatten maximal 6°C in unserem Matratzenlager und es war das engste und kleinste Lager, in dem wir je geschlafen haben. Vom Matratzenlager aus konnten wir aber direkt ins Tal sehen und ich habe mitbekommen, wie die Sonne aufgeht. Also habe ich schnell meine Kamera geschnappt und bin raus in die Kälte. Es war so atemberaubend schön, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann.

 

Danach gab es ein leckeres Frühstücksbuffet (kostet ca. 12€) und der Tag schenkte uns strahlendes Kaiserwetter. Also packten wir schon Vormittags unseren Rucksack und machten uns auf den Weg zur Naunspitze. Zuerst geht es durch den Wald und das letzte Stück ziemlich steil die Felsen hinauf. Hier sollte man sehr trittsicher und schwindelfrei sein. Mein Herzensmann hat es leider nicht ganz rauf geschafft und selbst mir wurde oben mit den Wolken etwas mulmig  zu Mute. Hier könnt ihr auch noch weiter zum Petersköpfl wandern, was wir jedoch nicht gemacht haben. Dieser Weg soll anscheinend noch steiler werden.  Ebenso führt von der Hütte aus ein Weg zur Pyramidenspitze.

Zur Belohnung gab es auf der Sonnenterasse der Hütte natürlich ein kühles Radler und Pressknödel auf Kraut. Eigentlich wollten wir danach noch Richtung Hinterkaiserfeldenhütte laufen, allerdings war der Schnee so tief, dass wir ständig eingebrochen sind. Hier wären Schneeschuhe auf jeden Fall empfehlenswert! Am Abend war der Sonnenuntergang genauso atemberaubend, wie der Sonnenaufgang am Morgen.

 Silvester8

 

Wir haben das Silvesterangebot der Hütte genommen und das hat Folgendes beinhaltet:

  • 5-gänge Menü am Silvesterabend
  • alle Getränke inklusive (außer Spirituosen)
  • Spätaufsteher Frühstücksbuffet
  • Lagerfeuer
  • Live-Musik
  • Feuerwerk
  • Übernachtung

Silvester1

Für alles zusammen haben wir 120€ gezahlt. Wir fanden es war ein durchaus gelungener Abend. Etwas schade war, dass das Essen erst sehr spät serviert wurde und wir somit erst um 23.30 Uhr unseren Nachtisch bekamen. Denn um diese Zeit wurde bereits die Tanzfläche unsicher gemacht. Das Menü war grandios und unglaublich viel. Bis 3:00 Uhr feierten wir weiter, bis es dann ins Bett ging.

Am nächsten Morgen ging es allerdings schon wieder um 9:30 Uhr zum Frühstück und wir stiegen danach wieder ins Tal ab. Für den Abstieg haben wir ein bisschen über eine Stunde gebraucht.

Fazit:

Wir planen schon unser nächstes Hüttensilvester für 2018/2019, weil es uns einfach so gut gefallen hat. Das Silvesterangebot war einfach toll und die Leute waren super nett. Zur Hütte könnt ihr durchaus auch mit euren Kindern wandern, ggf. solltet ihr etwas mehr Zeit einplanen. Ich kann die Hütte nur empfehlen, da sie a) einen grandiosen Ausblick bietet und b) sich gut für weitere Tageswanderungen anbietet. Allerdings würden wir beim nächsten Mal ein Zimmer buchen, da wie oben schon genannt, das Lager wirklich extrem klein und eng ist. Für die Übernachtung im Lager haben wir 12€ gezahlt (als DAV-Mitglieder).

 

…für eine Hüttentour

Eine mehrtägige Wanderung steht vor der Tür, doch was soll man nur mitnehmen? Hier stelle ich euch nicht DIE ULTIMATIVE Packliste vor, denn ich denke die gibt es nicht. Ich möchte euch zeigen, was wir in unseren Rucksäcken haben und euch einfach eine kleine Anregung geben. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen etwas weiter. Wenn ihr zu 2. oder mit mehreren auf Tour geht, könnt ihr euch gewisse Dinge natürlich aufteilen. Umso leichter werden eure Rucksäcke. Dieser Beitrag steht mit keiner Marke in einer Kooperation. Ich habe mir alle Ausrüstungsgegenstände selbst gekauft.

Ausrüstung:

Das Wichtigste bei einer mehrtägigen Wanderung oder bei allen Wanderungen sind meiner Meinung nach die Schuhe. Ihr solltet eingelaufene Wanderschuhe besitzen, die wasserdicht sind und am besten über den Knöchel gehen. Habt ihr sie erst neu gekauft, zieht sie einfach im Alltag immer wieder an, damit sie sich an eure Füße anpassen können. Nichts ist schlimmer als drückende Schuhe oder gar Blasen an den Füßen. Der Rucksack, den ihr auf den Fotos seht ist der von meinem Freund. Ich werde mir im kommenden Jahr wahrscheinlich einen Neuen kaufen. Im Sommer, wenn ich nur Leggins und T-Shirt zum Wandern trage, ist mir der Hüftgurt zu groß und somit tragen meine Schultern die ganze Last. Also, beim Rucksackkauf bedenken, dass der Hüftgurt eng genug geht! Die Trekkingstöcke sind bei schwierigem Gelände eine sehr große Hilfe. Ich hatte früher immer die Walkingstöcke meiner Eltern dabei und beide Paare geschrottet, indem sie mir einfach auseinander gebrochen sind. Diese sind jetzt wirklich für das alpine Gelände gedacht und haben bequeme Schaumstoffgriffe sowie ein Doppel FlickLock Einstellungssystem. Für die Hüttenübernachtungen braucht ihr auf jeden Fall einen Hüttenschlafsack, der ist in den meistens sogar Pflicht.

  • Rucksack 30L + Regenhülle hier
  • Trekkingstöcke hier
  • Hüttenschlafsack hier
  • Wanderschuhe: ich habe mittlerweile mein 2. Paar von Lowa und bin absolut zufrieden. Hier kann ich euch aber nicht wirklich etwas verlinken, die müsst ihr selbst im Laden anprobieren
  • Zippbeutel/Packsäcke für Kleidung und Kleinkram hier

Hygiene:

  • Microfaser Handtuch (es ist einfach super leicht und trocknet schnell)
  • Deo
  • 2in1 Duschdas
  • Zahnpasta / Zahnbürste
  • Haarbürste / Haargummis
  • persönliche Medikamente / Pille
  • Sonnencreme

Kleidung:

Hierbei ist natürlich die Jahreszeit zu bedenken. Im Winter nehmt ihr eine Schneehose mit, im Sommer ggf. eine Regenhose. Ich denke das versteht sich von selbst. Denkt daran nicht zu viel mitzunehmen, ihr müsst ja alles tragen. Bei einer 4-tägigen Hüttentour habe ich 2 „Outfits“ zum Wandern dabei und 2 mal Wechselkleidung für die Hütte.

  • Schneehose / Regenhose
  • Winterjacke / Softshelljacke / Regenjacke
  • Mütze / Handschuhe
  • Sonnenbrille!
  • FlipFlops oder Hüttenschuhe
  • 2 paar Wandersocken
  • normale Socken
  • Unterwäsche
  • Sweatshirt Pullover
  • Fleecejacke/Pullover
  • Funktionst-shirts (Baumwolle trocknet sehr schlecht wenn ihr z.B. schwitzt)
  • T-Shirts (für die Hütte)
  • (Zipp-) Wanderhose / Leggins
  • bequeme Hose (für die Hütte)
  • Schlaf-tshirt
  • Kopfbedeckung im Sommer

Elektronik:

  • Kamera + Stativ (mein geliebtes Rollei Tripod C4i kann ich nur empfehlen!)
  • Selbstauslöser, Ladegerät
  • Handy, Ladegerät (für den Notfall sollte immer jemand eins dabei haben)

Sonstiges:

  • Stirnlampe
  • Taschentücher
  • Wäschebeutel (für dreckige Wäsche)
  • 1. Hilfe-SetProviant
  • kleinen Müllbeutel
  • ggf. Notizbuch + Bleistift
  • Geldbeutel + Dokumente + DAV Ausweis
  • Kompass
  • Kartenmaterial
  • Proviant (Riegel, etc.)
  • Vesperdose hier
  • Trinkflasche (ich liebe sie!) hier

Fazit:

Ich hoffe ich konnte euch für eure nächste Wanderung etwas weiter helfen. Falls ihr noch weitere Anregungen oder Fragen habt könnt ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen. Ebenso wenn ich etwas vergessen habe oder ihr anderer Meinung seid. Ich bin derzeit auf der Suche nach einem neuen Rucksack und einer Wanderhose. Leider bin ich ziemlich klein und habe dementsprechend in der Damenabteilung meine Schwierigkeiten. Falls ihr Vorschläge oder Empfehlungen habt, gerne her damit.

Viel Spaß beim Packen!

Der Watzmann und seine sieben Kinder

Der König Watzmann – laut einer Sage ein fieser Thyrann, der auf Grund dessen mit samt seiner Frau und seinen sieben Kindern von Gott versteinert wurde. Für uns im Mai eine 4-tägige alpine Erfahrung, die wir so schnell nicht wieder vergessen werden.

Mit unseren guten Freunden im Gepäck, die genauso abenteuerlustig und wanderverrückt sind wie wir, machten wir uns Ende Mai an einem Freitagnachmittag auf den Weg Richtung Schönau am Königssee. Dort übernachteten wir auf einem Campingplatz direkt in Schönau. Kaum angekommen, hat es auch schon das Regnen angefangen – Klassiker. Nachts wurde es auch nicht besser und es hat keine 2 Stunden gedauert bis aus unserem Trekkingzelt unser ganz persönlicher Privatpool wurde. Na toll! Das Wasser steht einem gefühlt bis zum Hals, raus aus dem Zelt konnten wir leider auch nicht denn, wo sonst hin? Wir waren keinen halben Tag dort und ich wollte am liebsten schon wieder nach Hause. Naja was will mach machen? Meine Beine fest umschlungen saß ich geschlagene 4 weitere Stunden im Zelt. Wippend. Und summend wohl gemerkt.

Tag 1: Schönau am Königssee – Watzmannhaus; ca. 9km; ↑1320Hm; 5h

Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Völlig erschöpft, übermüdet und durchnässt aber voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg. Unser Auto durften wir am Campingplatz stehen lassen, sodass wir uns die Parkgebühr von 5€ pro Tag sparen konnten. Warm eingepackt und voller Motivation liefen wir los. Keine 15 Minuten später (auf der Höhe der Bobrodelbahn) legten wir schon die erste Pause ein, um uns von unseren unzähligen Klamottenschichten zu befreien. Weiter auf dem Wanderweg 443 ging es Richtung Grünstein zur Kühroint-Alm. Der Morgennebel verzog sich so langsam und es herrschte eine unglaubliche Lichtstimmung.

Ich bin froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass der Weg zur Kührointalm ein Spaziergang war im Gegensatz zu dem, was uns die nächsten Tage noch erwarten wird. Nach der Kührointalm, in der man sich durchaus sein erstes Radler gönnen kann, geht es weiter zum Falzsteig (Wanderweg 442). Ja, richtig. Steig. Bei meinem Herzensmann stellen sich leider heute immer noch die Nackenhaare auf, wenn er dieses Wort hört. Also ich kann euch beruhigen. Es ist in dem Sinn kein Steig, bei dem ihr große Erfahrung oder gar eine Ausrüstung braucht. Ihr solltet jedoch schwindelfrei und trittsicher sein, denn der Weg ist teilweise mit Drahtseilen gesichert. Habt ihr den Falzsteig überwunden kommt ihr auch schon wieder auf einen „normalen“ Weg.

Watzmann1

Hier weiter oben hingen die Wolken noch ziemlich dicht und die Sicht war nicht sonderlich gut. Bei gutem Wetter könnt ihr schon ab der Kührointalm das Watzmannhaus sehen. Wir haben es leider wirklich erst entdeckt als wir 2 Meter davor standen. In den Serpentinen Richtung Watzmannhaus müsst ihr jetzt noch einmal alle eure Kräfte zusammen nehmen. Es kommt noch einmal eine ziemlich einfache drahtseilversicherte Stelle und dann habt ihr es auch schon geschafft. Vor euch ragt das Watzmannhaus auf 1928Hm in seiner vollen Pracht!

Tag 2: Watzmannhaus – Wimbachgrieshütte; ca. 14km; 6h;1300Hm; ↑ 725Hm

Hocheck

Nach einem leckeren Frühstück ging es für uns bei Sonnenschein los Richtung Wimbachgrieshütte. Wer möchte, kann direkt am Morgen noch auf das Hocheck laufen. Er ist von allen Watzmanngipfeln der einfachste zu besteigen, sollte jedoch trotzdem nicht unterschätzt werden. Der Weg geht direkt am Watzmannhaus los und der Aufstieg dauert ca. 1,5 Stunden. Wir haben allerdings diesen Teil ausgelassen und sind den gleichen Weg wie am Vortag Richtung Falz-Alm (1600Hm) wieder abgestiegen. Leider muss man an diesem Tag wieder komplett die 1300Hm absteigen. Danach bogen wir Richtung Mitterkaseralm ab und gelangen hinunter zur Wimbachklamm. Im Tal unten angekommen legten wir erst einmal eine Mittagspause ein. Wir kehrten in eine Wirtschaft ein und gönnten uns ein kühles Radler (was sonst?). Die Sonne brannte heute nur so vom Himmel. Bei der Wimbachklamm kann man entweder geradeaus dem Weg folgen oder links über die Klamm weiter laufen. Wir haben die 1,50€ Eintritt gezahlt und die kleine aber schöne Klamm auf unserer Wanderung mitgenommen. Nun geht es sehr lange entlang des Flusses auf einem Schotterweg weiter. Der Fluss lud an diesem warmen Tag gerade zu zum Baden ein. Wohlgemerkt wir hatten erst Ende Mai. Das Wimbachschloss lädt noch einmal zu einer Pause ein, bevor ihr weiter im Tal entlang wandert. Es ist eine atemberaubende Kulisse  –   das kiesbedeckte Tal, umschlossen von den Bergen. Wenn ihr die Augen offen haltet, könnt ihr wie wir ein paar Gämse und andere Tiere entdecken.

An der Hütte angekommen, passierte etwas womit wir nicht gerechnet hatten. Die Hütte war voll! Sie ist nicht wie die anderen Hütten vom Alpenverein, sondern von den Naturfreunden und im Vergleich relativ klein. Der Hüttenwirt wollte uns wegschicken, doch wir waren fix und fertig und es wurde langsam schon spät (wir hätten es nie ins Tal zurück geschafft). Also gönnten wir uns erstmal 1,2,…4 Radler und warteten. Da ein Hüttenwirt die Wanderer ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr fort schicken darf, hatten wir Glück und bekamen letztendlich doch noch unsere Schlafplätze. Ihr müsst einfach nur Geduld haben, viele Wanderer sind nämlich tatsächlich dann wieder gegangen.

Tag 3: Wimbachgrieshütte – Kärlingerhaus; ca. 11km; 9h; ↓800Hm; ↑1100Hm

An diesem Tag erwartete uns die härteste aber beeindruckendste Etappe der Watzmannumrundung. Zunächst ging es mäßig steil voran. Doch schnell merkten wir, dass der Weg immer anstrengender wird. Die Wege werden schmaler und es muss eine kleine Brücke am Berghang passiert werden. Die Sonne brannte auch heute wieder gnadenlos auf unsere Köpfe. Vom Trischübel kann man einmal über das ganze Wimbachgriestal sehen und ich muss sagen, es war beeindruckend! Anschließend kommt man in die Hundstodgrube, bei der wir auch unsere längere Pause einlegten und wieder einmal ein paar Gämse beobachteten. Das lustige an diesem Tag war, dass wir dachten, dass der schlimmste Anstieg nun hinter uns liegt. Im folgenden möchte ich euch keineswegs demotivieren aber ich bin ehrlich: mit Kindern würde ich NIEMALS diese Wanderung machen (dies wurde einige Male im Internet als Familienwanderung empfohlen). Bei uns lag noch so viel Schnee, dass wir die Markierungen kaum erkennen konnten. Und jetzt wurde es erst richtig hart. Als wir sahen, wo wir rauf müssen, wären wir glaube ich am liebsten alle wieder umgekehrt. Die nächsten Stunden waren wirklich das Härteste, was ich je erwandert bin.

Die ganzen nächsten Stunden sind wir keiner Menschenseele begegnet. Erst als wir schon Richtung Hundstodgatterl blicken konnten, sahen wir in der Ferne 2 Menschen und wussten Gott sei Dank in welche Richtung wir laufen sollen. Die Tagestour zog sich ziemlich in die Länge. Das Steinerne Meer beeindruckte uns mit seiner Weite und ganz klein konnten wir das Ingolstätter Haus sehen. Wir haben auch ganz viele Murmeltiere entdeckt! Der Abstieg war fast noch härter als der Aufstieg und ich bin einige Male in die hüfttiefe Schneedecke eingekracht und musste mich erst einmal wieder aus den Felsspalten befreien. Nach insgesamt 9 Stunden und absolut erschöpft, sahen wir vor uns das Kärlingerhaus am Funtensee liegen. Bezaubernd schön!

Tag 4: Kärlingerhaus – Königssee; ca. 8km; 1080Hm; ↑ 50Hm; 3h

Der Weg vom Kärlingerhaus führt hinunter durch die Saugasse. Das ging ziemlich auf die Knie aber es war in dem Sinn kein anstrengender Weg. Weiter durch den Wald geht es direkt hinunter zum Königssee nach St. Bartholomä. Ja, klingt an sich nach einem sehr entspannten letzten Tag. Allerdings hatte ich den ganzen Tag zuvor keine Sonnenbrille auf und wurde in der Nacht wach, weil meine Augen so sehr schmerzten. Ja, tatsächlich habe ich mir eine „Schneeblindheit“ zugezogen. Ich hatte wirklich noch nie solche Schmerzen in meinem Leben und ich war blind, also ich konnte meine Augen auch überhaupt nicht öffnen. Meine Freundin hatte unendliche Schmerzen in den Füßen und so machten wir uns auf zum Abstieg. Ich glaube wenn uns jemand gesehen hätte, hätte er gedacht wir haben sie nicht mehr alle. In St. Bartholomä ging es für uns dann mit dem Boot wieder nach Schönau rüber. Das kostet um die 8€ und dauert ca. 35 Minuten.

Fazit:

Es war die schönste, anstrengendste aber atemberaubendste Hüttentour die wir je gemacht haben. Ich kann sie jedem empfehlen der etwas Bergerfahrung und Trittsicherheit mitbringt. Wir sind Mitglieder im Alpenverein, was ich auch nur jedem empfehlen kann, da ihr in den Hütten Vorgang habt, die Übernachtung um die Hälfte günstiger ist (ca. 10€ p.P.) und ihr seid versichert. Am besten reserviert ihr euch auch alle Hütten vor und macht die Tour nicht alleine. Ansonsten: packt eure Rucksäcke und viel Spaß!